Lychen-Nachrichten

Auf  dieser Seite sollen unregelmäßig aktuelle Nachrichten über Lychen stehen, insbesondere Nachrichten vom Aktionsbündnis Stadthafen, ebenso von der Wählergruppe "Schön Hier - Gemeinsam für Lychen".

 

In der Neuen Lychener Zeitung (NLZ) finden Sie weitere weitere Informationen,

ebenso im lesenswerten Blog des Lycheners Joachim Hantke.


Öffentliche Termine im Alten Kino Lychen - jeweils 18.30 Uhr:


05.11. Bauausschuß

12.11. Finanzausschuß

26.11. Hauptausschuß

10.12. SVV

Bürgerbefragung Stadthafen wegen nichtanonymer Stimmzettel verschoben auf 10.11.-9.12.2018

Einige Gedanken und Korrekturen zur Stadthafendebatte

 

Meines Erachtens sind Richtigstellungen zu einigen in den Stadthafenzeitungen erschienenen Artikeln nötig, ebenso zu Schautafeln auf dem „Hafenfest ohne Hafen“.

 

-        Herrn Hildebrandt muß ich sachlich korrigieren, die CDU hatte die Idee der Bürgerbefragung und nicht wir, wie er behauptet. Die Bürgermeisterin Frau Gundlach hat diese aufgegriffen. Sicher, wir haben ein Bürgerbegehren ins Spiel gebracht, doch das war mehrheitlich nicht gewünscht. Ich denke wie Herr Hildebrandt, daß die Stadt längst einen Hafen hätte haben können. Ich bin aber der Meinung, daß es an der demokratiefernen und dilettantischen Vorgehensweise der Projektbetreiber lag und liegt, daß wir in Lychen nicht weiter sind. Über die 3 verpassten Chancen für den Hafen schrieb ich an dieser Stelle bereits ausführlich vor 3 Jahren.

 

-        Im Interview mit Frau Gundlach in der 2. SHZ sagte die Bürgermeisterin, daß im schlechtesten Fall ca. 370.000€ verloren wären, wenn das Projekt scheitert. Wie ich bereits in der letzten NLZ schrieb, ist im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses eine kleinere Hafenvariante realisierbar, das Geld somit nicht verloren.

 

-        Herr Klemckow fragt in der 2. SHZ rhetorisch: „Was ist in Lychen los?“. Wer sollte diese Frage besser als er beantworten können? Eine selbstkritische Betrachtungsweise seines Wirkens und seines Umgangs mit den Mitmenschen dürfte dabei helfen.

 

-        Auch Herr Tänzers Aussagen in der 2. SHZ sind interessant. Er sprach dort u.a. von der „lauten Minderheit“, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, daß er Teil derselben sein könnte. Über den Satz „Leider wird die Diskussion eher von ideologischen Motiven geleitet und weniger von Sachargumenten.“ möchte ich ihm Nahelegen, mal selbstkritisch seine Art der Diskussion zu reflektieren. Ist es nicht ideologisch, genau an dieser (seiner) Hafenplanung festzuhalten, egal welche Auswirkungen das auf die Stadt hat? Und wie sollte ich die Diffamierung von Kritikern und das Missen jeglicher Kompromißbereitschaft sonst nennen?

 

-        Familie Schröter hat in der 2.SHZ völlig verkannt, daß die Einwohner der Stadt Lychen den Hafen bezahlen. Und die, die die Zeche zahlen, sollen auch darüber entscheiden. Ich hätte kein Problem damit, so, wie sie fordern, die Hafennutzer entscheiden zu lassen – wenn diese ihn auch finanzieren.

 

-        Zum Beitrag Schache/Klöß in der 2. SHZ, ähnlich auch auf Schautafeln beim Hafenfest zu finden: Da wird mit Unterstellungen gearbeitet, die längst widerlegt sind, wie z.B., daß das Aktionsbündnis der Stadt einen Anwalt aufgenötigt hätte. Im August 2010 erhielten Einwender im Planfeststellungsverfahren Post vom RA Dombert (Vertragsschluß Stadt –RA Dombert am 28.6.2010), beauftragt vom Bürgermeister (ohne eine Beschlußfassung). Im Herbst 2010 veröffentlichte das Aktionsbündnis in der NLZ eine Information, u.a. gaben wir bekannt, daß wir für den Erörterungstermin im Verfahren einen Anwalt hinzuziehen. Diesen beauftragten wir im Januar 2011, er vertrat einen Teil der Einwender beim Erörterungstermin am 15./16.2.2011. Die Stadt bezahlte ca. 80.000€ für Ihren Rechtsanwalt, obwohl der Finanzausschuß mehrfach die Aufhebung des Vertrages empfohlen hat. Soweit ich das überblicken kann, waren nicht alle Mehraufwendungen durch Beschlüsse der Stadtverordneten gedeckt. Zum Vergleich: Das Aktionsbündnis hatte ca. 6000€ RA-Kosten, für die Vertretung beim Erörterungstermin 2011, 2 Schreiben in den Folgejahren und die Auswertung des Planfeststellungsbeschlusses 2015. Stadtverordneter Schache war auch auf dem Hafenfest nicht bereit, diese belegbaren Fakten zu akzeptieren.

 

-        Schache/Klöß lasten die Planänderung 2012 dem Aktionsbündnis an. Wahr ist jedoch, daß wir öffentlich und nachlesbar diese Planänderung kritisiert haben. Die Planänderung erfolgte, da das Landesamt der Stadt signalisiert hatte, daß der Hafen nicht genehmigungsfähig sei.

 

-        Die uns ebenfalls angelasteten zusätzlichen Gutachten sind diejenigen, die in der Planung einfach vergessen wurden. Klar, wir haben darauf hingewiesen, aber die verfahrensführende Behörde hätte es auch selbst gemerkt. So lösen sich die uns angelasteten 80.000€ doch in ein Eigenverschulden auf. Aber ein Sündenbock ist praktisch, der kann gut vom eigenen Versagen ablenken.

 

-        Witzigerweise boten die Hafenbeckenfreunde beim Hafenfest gerade Bad Karlshafen in Hessen als Positivbeispiel hervor. Sie scheinen sich dabei ausschließlich  auf einen Artikel der Frankfurter Rundschau vom 12.9.2018 zu stützen. Vorenthalten wurde den Lychenern die Information, daß der Bund der Steuerzahler genau dieses Hafenprojekt 2016 in sein Schwarzbuch aufgenommen hat. Die dargestellten positiven Aussagen beruhen ausschließlich auf Sätzen des Bürgermeisters, eines langjährigen Hafenbefürworters. Kein Wort über die verlängerte Bauzeit (derzeit um fast 1 Jahr, Ende offen) und die damit auch steigenden Kosten. Wie der Zufall es wollte, kamen beim Hafenfest Urlauber an den Aktionsbündnisstand, die diesen Sommer in Bad Karlshafen waren. Sie erzählten, daß sie viel Kritisches zum Hafen im Ort gehört haben und das diesen Sommer der Wasserstand der Weser so niedrig war, daß, wäre er bereits fertiggestellt, kein Boot den Hafen hätte nutzen können. Im Übrigen geht es in dem Fall um Reaktivierung eines alten  Hafens (siehe Neustrelitz, Waren) und nicht um einen Neubau auf grüner Wiese, und somit erübrigt sich jeder Vergleich.

 

-        Ganz absurd wird Herr Schaches „kreativer“ Umgang mit Fakten und Zahlen bei dem Versuch, den Beweis zu führen, daß ein kleiner Hafen teurer als ein großer wird (ähnlich Herr Odening, seine angebliche Neutralität aufgebend in der 2. SHZ – zur Erinnerung, als BM-Kandidat wollte er noch das Hafenprojekt zu den Akten legen). So rechnen sie die Planungskosten der Hafenbeckenvariante einem kleinen Hafen zusätzlich an. Dabei hat Stadtverordneter Schache maßgeblich all diese Kostenausgaben mitgetragen und verhindert, daß über alternative Hafenvarianten überhaupt gesprochen wurde. Er suggeriert, der Alternativentwurf des Aktionsbündnisses von 2010 wäre eine Planung. Dieser ist aber eine Ideenskizze, entstanden aus einen Brainstorming. Wir wollten damit zeigen, daß auch andere Varianten denkbar sind, ohne kostenintensives Hafenbecken, dem Leitbild des sanften Tourismus angemessen. Herr Schache veranschlagt auf unredliche Weise auf seinen Schautafeln 2 Mio € für diesen Vorschlag, ansonsten hätte die Beweisführung, daß 1 größer als 5 ist, nicht geklappt. Zudem behaupten Herr Schache und Herr Odening, daß eine kleinere Hafenvariante mit einem geringeren Fördersatz auskommen muß. Weder ist die 80%ige Förderung der planfestgestellten Variante in Sack und Tüten, ein Förderantrag ist derzeit nicht gestellt. Noch ist die Behauptung, eine kleinere Hafenvariante bekomme einen geringeren Fördersatz, nachvollziehbar, da die dann nutzbaren Fördermöglichkeiten heute zum Teil überhaupt noch nicht bekannt sind.

 

-        Der Stadthafen Neustrelitz hat 29 Gastliegeplätze, auf den Tafeln Herrn Tänzers wurden daraus 57.

 

-        Interessant sind auch die großformatigen Hafenanimationen auf dem Hafenfest, dem zugehörigen Plakat und in der 2.SHZ, die ich für sehr manipulativ halte. Frau Gundlach sagte auf der Hauptausschußsitzung am 17.9., daß sie diese Animationen bei einer Magdeburger Firma beauftragt hat. Diese Bilder enthalten maßstäbliche Fehler und sollen statt Argumenten zeigen, wie toll der Hafen wird. Dabei wurde auch nicht davor zurückgescheut, dass, was jetzt schön ist beim Blick vom Stadtsee auf die Innenstadt, häßlich darzustellen. Alles was innerhalb der Stadtmauer liegt, wurde zu fabrikhallen- oder wohnblockähnlichen weißgrauen Gebilden, damit sich der Hafen richtig abhebt davon. Es gab Bilder, auf denen die Gärten meiner Nachbarn einfach in die parkähnliche Hafengestaltung eingemeindet wurden. Das GPG-Gelände hätte seit langen parkähnlich gestaltet sein können, dies wurde bisher durch die Hafenplanung blockiert. Lediglich der Bus auf der Mole zeigt, wie überdimensioniert dieser autobahnbreite Betonklotz ist. Offenkundig soll hier ein neues Lychener Zentrum aus dem Boden gestampft werden. Wen wundert es da noch, wenn Hafenbefürworter im Stadtrat seit Jahren und teilweise Jahrzehnten Initiativen zur Aufwertung der Innenstadt und zur nachhaltigen touristischen Entwicklung missen ließen, teilweise wurden solche Initiativen blockiert.

 

-        Herr Tänzer reklamiert in der 2. SHZ das Vorhaben des Stadtförsters Alexandrin, den Stadtwald mittels einer Bürgerstiftung dauerhaft zu sichern, für sich. Zudem behauptet er, daß es völliger Unsinn wäre, daß der Stadtwald zur Kostendeckung Hafen herangezogen würde. Zur Erinnerung: Ex-Bürgermeister Klemckow hat 2015 eine Beschlußvorlage (059/15)  zum Hafen eingereicht, in der es u.a. beim Thema Bewirtschaftung des Hafens hieß: „Hier gibt es Überlegungen, eine Stiftung zu gründen.“ Dieser Beschluß wurde mehrheitlich angenommen. In Folge beanstandete die damals amtierenden Bürgermeisterin Frau Gundlach diesen Beschluß, in der nächsten SVV erfolgte die Aufhebung desselben. Was ist so brisant daran? Wenn die Stadt für die Betreibung des Hafens eine Stiftung gründet, muß sie Kapital einbringen. Welches Kapital hat die Stadt? Ich denke, die Antwort dürfte jedem und jeder klar sein.

 

In Benno Fischers und Jürgen Hildebrandts Artikeln in der 1. SHZ sowie auf Schautafeln beim Hafenfest taucht es wieder auf, das Feindbild.  Da wird von Gegnern, Nörglern, Verzagten, Bremsers, Panikmachers, Lügnern, Hetzern gesprochen. Dies wird vorrangig gegen Leute verwendet, die sich, zum Teil viele Jahre lang für die wirtschaftliche, touristische, innenstädtische Entwicklung Lychens engagieren. Einziges Kriterium, um ein Gegner zu sein: man hat Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Hafenbeckens, man ist kein überzeugter Anhänger der Tänzer-Klemckow-Schache-Hafenvariante. Seit 8 Jahren, seit das Aktionsbündnis Stadthafen die innerstädtische Demokratie belebt und das Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnimmt, werden wir immer wieder mit Umgangsformen deutlich unter der Gürtellinie konfrontiert. Das gipfelte auf dem Hafenfest in Herrn Tänzers Schautafeln und  handgeschriebenen Zetteln. Unter anderen wird mit einer Roten Karte gedroht. Was heißt das jetzt, Rauswurf aus der Stadt, zum Abschuß freigegeben? Hinzu kommen persönliche Drohbriefe und weitere Einschüchterungsversuche gegen Menschen, die ihre Meinung frei äußern. Wir werden uns davon nicht unterkriegen lassen. Herr Tänzer schrieb in der 2. SHZ, daß es ihm wichtig ist, bei allem, was er tut, morgens und abends noch aufrecht in seinen Spiegel schauen zu können. Es muß ein blinder Spiegel sein, in den er da sieht.

 

Die grundlegende Frage ist doch, welchen Tourismus wollen wir in Lychen? Soll Lychen weiter behutsam den Weg der Entwicklung des sanften Tourismus gehen, seine Alleinstellungsmerkmale stärken, eines der letzten Refugien der naturliebenden, ruheliebenden Touristen bleiben? Oder soll Lychen doch mehr auf größere Massen, mehr Pauschaltouristen, mehr und lautere Veranstaltungen, mehr Motorboote setzen? Auch in dem Bewußtsein, daß wir damit in direkte Konkurrenz zu den meisten Urlauberorten in Nordostdeutschland treten und unsere gegenwärtigen Stammurlauber zum Teil verlieren werden? Wer weiß eigentlich in der Stadt, daß Lychen mittlerweile viele Stammurlauber hat, die zuvor jahrelang z.B. in der Müritzregion waren und es dort nicht mehr aushielten? Wollen wir auf Qualität oder Quantität setzen?

 

Zwei Paar Urlauber, die einen Berliner und seit 15 Jahre Stammgäste, die anderen erstmalig hier und aus Bremen, kamen auf dem Hafenfest ins Gespräch mit einer CDU-Stadtverordneten. Sie erzählten, wie gern sie hier sind. Auch, daß sie, wenn die Stadt mit dem Hafen eine andere Ausrichtung nimmt, sie nicht mehr nach Lychen kommen würden. Entsetzt erzählten sie anschließend am Aktionsbündnisstand die Antwort der Stadtverordneten: „Dann kommen eben andere.“ Deutlicher kann wohl die Arroganz gegenüber unseren Gästen und den Touristikern, die dafür sorgen, daß die Gäste sich wohlfühlen, nicht ausgedrückt werden.

 

Thomas Held (24.9.2018)

 

Bürgerbefragung Stadthafen – Sage nein!

 

Alle Wahlberechtigten in Lychen werden voraussichtlich im September die Chance haben, zur vorliegenden Hafenvariante (siehe Abbildung) ja oder nein zu sagen. 50% der Wahlberechtigten müssen sich beteiligen, damit die Befragung zählt. Also nutzt diese Chance!

 

Wohlgemerkt – es geht dabei ausschließlich um DIESES, also das planfestgestellte Hafenprojekt. Ein Nein zu dieser Variante eröffnet erst die Chance für eine andere Hafenvariante oder für eine Verkleinerung der vorliegenden planfestgestellten Variante, da die Verfechter dieser Hafenplanung bisher nicht kompromißbereit waren und sind.

Es folgen einige Gründe zur Ablehnung dieser Hafenvariante. Dann werfen wir einen kurzen Ausblick auf die Chancen eines Hafens nach der Bürgerbefragung.

 

Das liebe Geld

 

Einige Zahlen (alle Zahlen in brutto und auf mindestens 1000€ gerundet): Bei der Vergabe der Hafenplanung im Jahre 2005 an Hakala-Meyer in Kooperation mit IWB Ingenieurgesellschaft mbH (IWB) wurden Kosten von 1,72 Mio € geschätzt, inklusive des Empfangsgebäudes für die „Möwe“. Bei der Offenlegung der Hafenplanung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens 2010 ging das Bauamt Lychen von einer Bausumme von 2,9 Mio € aus. Auf einer SVV am 15.2.2012, auf der die vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) erzwungenen Planänderungen für den Hafen beschlossen wurden (Einkürzung der Mole, Verschiebung des 1. Gebäudes Richtung Land), sprach Planer Ruhe (IWB), daß der Hafen dadurch etwas preiswerter liegt, ca. 2,5 Mio €. Die erste Kostenberechnung zum Hafen aus dem Jahr 2015 kommt aber auf die Summe von 3,05 Mio €. Die Stadt Lychen hat mündliche Zusagen durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg, daß sie eine 80%ige Förderung für das Hafenprojekt erhält. Allerdings sind nicht alle Kosten förderfähig, manche Kosten sind es auch nur mit einem geringeren Fördersatz. So werden die bisherigen  Ausgaben (380.000€) nicht mehr gefördert. Somit sind wir jetzt schon bei einem Eigenanteil der Stadt Lychen von 1 Mio €, sollte der Hafen verwirklicht werden. Doch auch das wird bei Weitem nicht reichen, da die 2015 erstellte Kostenberechnung durch IWB zahlreiche Ungereimtheiten enthält.

 

Die Kostenberechnung 2015 (KB) und was damit nicht stimmt

 

2009 stellte die Stadt Lychen Bauanträge für den Hafenspeicher sowie das Haus an der Stadtmauer, welches als Sanitärhaus umgebaut werden soll. Als Bausummen werden ausgewiesen: Hafenspeicher 1,06 Mio €, Haus an der Stadtmauer 74.000€. Die KB, die 6 Jahre später erstellt wurde, enthält für den Hafenspeicher aber nur noch 665.000 €, für das Haus an der Stadtmauer 60.000€. Zum Vergleich: Die Sanierung der Freilichtbühne am Strandbad kostete vor 5 Jahren 120.000€. Wie die wundersame Verringerung der Kosten von 2009 auf 2015 für beide Gebäude zustande kommt, ist aus den Unterlagen nicht erklärbar. Schon diese Bauanträge von 2009 stecken voller weiterer Absurditäten.  So soll die Sanierung des weitgehend intakten Hauses an der Stadtmauer 300€/m³ kosten, der Neubau des Hafenspeichers lediglich 196€/m³. In der realen Welt kostet sowas allerdings mindestens 600€/m³, noch realistischer sind 800€/m³.

 

Beim genauen Prüfen der KB fällt auf, daß diverse Kostenansätze fehlen. Beispiele sind fehlende Kosten für das Freimachen des gesamten Geländes inklusive der Rodungsarbeiten, für Abbruch und Versetzen des Kriegerdenkmals, für Abbruch von Schuppen und Betonflächen, für die kompletten Parkplatzkosten (40 PKW, 2 Busse, 3 Wohnmobile), für Uferrenaturierung, Ufersanierung und evt. erforderliche Grundwasserabsenkung, für das Beweissicherungsverfahren Stadtmauer, für Fachbauleitung und Spezialtiefbauprojekt, für Statik und Verankerungsnachweise, für die vorgeschriebenen archäologischen Untersuchungen … Die 110 Zusagen der Stadt im Planfeststellungsbeschluß (PFB) sind mehrheitlich kostenmäßig in der KB nicht erfasst.

 

Ebenso fällt auf, daß einige Kostenansätze zu gering angesetzt wurden. Beispiele hierfür sind zu geringe Kostenansätze für Ausgleichsmaßnahmen, für die Profilierung Hafenbecken, für Bodenabtrag, - lagerung, -unterhaltung, für Projektbetreuung, Gutachten und Beratung…  

 

Teilweise wird von falschen Zahlen ausgegangen, so z.B. beim Bodenaushub.

 

Laut der Baugrunduntersuchung von 2007 gibt es in Bereichen des geplanten Hafenbeckens 2,5m bis 5,2m starke Moorschichten. Diese müssen komplett abgetragen werden, da sie als nichttrag- und verdichtungsfähig gelten. Ebenso finden sich in dem Bereich der Mole, der im See bzw. am Ufer liegt, Moorschichten und mit organischem Material durchsetzte Sandschichten. Insofern bleibt völlig unverständlich, warum dies bei der KB nicht berücksichtigt worden ist, zumal auch die Baugenehmigung (der PFB) von einem deutlich höheren Bodenabtrag ausgeht.

 

Hinzu kommen Risiken wie Altlasten, Munitionsfunde, Tiefgründung Mole, wodurch die Kosten schnell explodieren können. Die Baukosten sind schon explodiert:  Allein durch die Preissteigerungen der letzten 5 Jahre können wir von 610.000€ Mehrkosten ausgehen. Die in der KB nicht berücksichtigten bzw. falsch ermittelten Baukosten dürften bei mindestens 1 Mio € liegen. Es ist also zu erwarten, daß die Hafenkosten bei mindestens 4,6 Mio € liegen, es können aber auch noch deutlich mehr werden auf Grund diverser, teilweise hier schon genannter Risiken.

 

Weitere offene Fragen

 

Bürgermeisterin Frau Gundlach bestätigte auf der letzten SVV, daß die Hafenplanung im nichtöffentlichen Teil der Hauptausschußsitzung vom 23.05.2005 beschlossen wurde. Bereits am 9.10.2006 wurde während einer Hauptausschußsitzung auf die Anfrage einer Bürgerin geantwortet, daß die Hafenplanung abgeschlossen sei. Doch es dauerte fast 4 Jahre, bis die Unterlagen im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens öffentlich gemacht wurden. Ich selbst war mehrfach im Amt und habe um Einsichtnahme gebeten (Frau Gundlach kann das bestätigen), dies war nicht möglich.

 

Warum wurde die Bevölkerung nicht einbezogen? Es sind so viele Dinge, die keinen Sinn machen! So konnte bisher niemand sagen, warum der Parkplatz genau dahin muß, wo jetzt noch Bäume und das Kriegerdenkmal stehen. Warum sollen die Gebäude auf der Mole stehen, wodurch die Mole autobahnbreit und unnötig teuer wird? Warum wird der Hafen als touristischer und saisonverlängernder Höhepunkt gepriesen, wenn die Gebäude laut Bauanträgen 2009 und KB 2015 so ausgelegt sind, daß sie nur im Sommerhalbjahr nutzbar sind? Also, wem nützt dieser Hafen in dieser Variante? Wer wird profitieren? Auf wessen Kosten wird er gebaut? Solange die ganzen Fragen nicht beantwortet sind, ist es grob fahrlässig, diesen Hafen zu befürworten. Schaut in den Südwesten, bei Stuttgart 21 verdienen sich wenige Leute eine goldene Nase. Milliarden werden in die Erde versenkt, für einen Bahnhof mit geringerer Kapazität als sein Vorgänger. Die Allgemeinheit bezahlt und die Stuttgarter haben vermutlich jahrzehntelang Baulärm und Einschränkungen zu ertragen.

 

Folgen

 

Kein Hafen schreibt schwarze Zahlen, so Peter Dörnfeld vom Consulting-Büro mediamare beim Werkstattgespräch im Februar. Welche Folgekosten kommen auf die Stadt zu und wie werden diese dauerhaft getragen? Bisher liegen keine realistischen und damit verwertbaren Kostenberechnungen für die Folgekosten vor. Somit können wir bis jetzt nicht mit Gewißheit sagen, welche Summe die Stadt Lychen nach Bau des Hafens jährlich zum Betreiben desselben einstellen muß und was das für den Haushalt der Stadt bedeutet. Was können wir uns dann nicht mehr leisten? In welchem Modell soll der Hafen betrieben werden? Stadtverordneter Klaus Schache beteuert zwar jetzt, eine Stiftung sei kein Thema mehr. Allerdings scheint es, dass einige Befürworter des großen Hafens diese Variante der Finanzierung noch nicht aufgegeben haben. Was also, wenn die Idee einer Stiftung wieder auf den Tisch kommt? Welches Kapital kann die Stadt in eine Stiftung geben? Unseren Wald, unsere Seen? Sollen die Waldeinnahmen nicht weiterhin dem allgemeinen Stadthaushalt zu Gute kommen? Was passiert mit dem Stadtwald, mit den Seen, wenn die Stadt sich verschuldet, weil sie sich Kosten und /oder Folgekosten des Hafens nicht leisten kann?

 

Was werden die Folgen einer jahrelangen Großbaustelle auf einem derzeit schon touristisch genutzten Platz in Zentrumsnähe sein? Was sind die Folgen für die touristischen Anbieter im Umfeld? Und was passiert mit dem Miteinander in der Stadt, wenn diese Hafenvariante kompromißlos durchgesetzt wird?  Laut PFB muß ein Beweissicherungsverfahren entlang der Stadtmauer durchgeführt werden. Das ist wohl die offizielle Würdigung der Gefahr, daß die Stadtmauer durch die Bauarbeiten mit starken Bodenbewegungen und Änderungen des Grundwasserstandes ins Rutschen geraten könnte (teils Fließsande und moorige Böden im Untergrund). Immerhin sind die Grundstücke auf der Innenseite der Mauer ca. 2m höher als  außen, somit lastet bereits ein Druck auf der Mauer. Was passiert, wenn die Mauer in Bewegung kommt? Was passiert mit den Grundstücken und Häusern dahinter?

 

Was passiert nach der Befragung?

 

Variante 1: Die Mehrzahl der Bevölkerung sagt JA zur großen Hafenvariante. In Folge wird eine Kostenberechnung für den Hafen öffentlich ausgeschrieben. Nach Vorlage belastbarer Zahlen fällt die SVV eine Entscheidung über die Verwirklichung des Hafenprojektes nach Haushaltslage. Die Bürger haben dann die Möglichkeit, zu diesem Beschluß ein Bürgerbegehren einzuleiten.

 

Variante 2: Die Mehrzahl der Bevölkerung sagt NEIN zur großen Hafenvariante. Die SVV schließt sich diesem Nein an. Dann sollten wir schnell und vorbereitet sein, denn 2020 erlischt das Baurecht. Frau Gundlach sollte mit 1-2 Fachleuten zum LUGV fahren, um über eine deutliche Verkleinerung der Hafenplanung in den Grenzen des Baurechts zu verhandeln. Parallel sollte ein Planungswettbewerb unter weitestgehender Einbeziehung der Bevölkerung und Beachtung vorhandener Gegebenheiten (Freifläche, Kunstpause, Wald) stattfinden. Alternativ könnte eine neue Planung angeschoben werden.

 

Variante 3: Ist einer Änderung der Planung an dieser Stelle nicht erwünscht oder möglich, sollte das Umfeld der Postablage zum Hafencharakter aufgewertet werden.

 

 T. Held (13.08.2019)

 

Alle genutzten Quellen sind im Rathaus und (eigentlich) dort einsehbar. Falls ein einfacher Antrag dafür nicht reicht, empfehlen wir, einen Antrag nach Umweltinformations-gesetz zu stellen.

 

 

Wiederbelebung der 50-Seen-Bahn?

 

Ende Winter 1996 – die Schließungspläne für die Bahnstrecke Fürstenberg-Templin waren gerade bekannt geworden – machte der Geschäftsführer des Fußgängerverbandes FUSS e.V. Bernd Herzog-Schlagk das Projekt Zukunft: Die „50-Seen-Bahn“ öffentlich.  Dieses beinhaltete, eine Regionalbahnlinie RB 64 von Berlin Lichtenberg über Oranienburg, Fürstenberg nach Templin zu führen, mit Halt auf allen Unterwegsbahnhöfen. Damit wäre die Linie Fürstenberg-Templin direkt an Berlin angebunden (wie schon in der Historie). Von den Bahnhöfen dieser Strecke wären ca. 50 Seen fußläufig (max. 3km) zu erreichen. Der uckermärker Teil der Kleinseenplatte würde somit vor Berlins Haustür rutschen. Es wurde damals vorgeschlagen, daß Projekt vernünftig durch die einheimische Tourismusbranche und einen Bahnbetreiber zu vermarkten (BSB Brandenburger-Seen-Bahn GmbH).

 

In Lychen wehrte sich die SVV mit einem einstimmigen Beschluß gegen die damals drohende Streckenschließung. Insbesondere der Ökostadt e.V. setzte sich für das Konzept der 50-Seen-Bahn ein, publizierte darüber und führte einige Jahre eine demonstrative Radtour Berlin-Lychen-Berlin mit diesem Ziel durch.

 

Die Streckenstillegung, die Entwidmung derselben sowie deren Verkauf konnten nicht aufgehalten werden. Die damals bereitstehenden Mittel für die Streckensanierung waren nicht abgerufen worden. Mittlerweile gehört die Strecke der Erlebnisbahn.de GmbH, die darauf die Draisine betreibt. Dadurch liegen zumindest ein Großteil der Gleise noch.

 

Vor dem Hintergrund, daß der Landkreis Uckermark die Anbindung Lychens an den Bahnhof Fürstenberg deutlich verschlechtert hat und bisher keine Bereitschaft besteht, diese Verschlechterungen rückgängig zu machen, ist es nötig, über Alternativen nachzudenken. Noch nötiger wird das, wenn wir die drohende Klimakatastrophe vor Augen haben. Der Menschheit bleiben vielleicht noch 3 Jahre, um eine grundlegende Umsteuerung vorzunehmen und somit das Schlimmste zu verhindern. Alternativen liegen seit Jahrzehnten auf dem Tisch, im Bereich Verkehr haben gerade die deutschen Autokonzerne (die immer wieder auch die Chefs der DB AG stellen) bisher eine grundlegende Verkehrswende verhindert.

 

In anderen Bundesländern (z.B. Rheinland-Pfalz, Niedersachsen…) werden seit Jahren Bahnstrecken und Bahnhöfe reaktiviert. Es wird Zeit, daß Brandenburg seine Hausaufgaben macht. Die Grünen und die CDU im Landtag haben interessante Konzepte vorgelegt. Erstere haben ein Gutachten für landesbedeutsame Buslinien erstellen lassen. Eine der Linien (Neuruppin-Rheinsberg-Fürstenberg/Neustrelitz) könnte auch für uns interessant sein, wenn der Abschnitt Rheinsberg-Fürstenberg im Stundentag über Lychen bis Feldberg verlängert würde. Für die Linie 517 würde dann der Abschnitt Lychen-Templin reichen. Dies wäre eine kurzfristig realisierbare Alternative.

 

Die CDU hat eine Entwicklungsstrategie für den Schienenpersonenverkehr in Berlin und Brandenburg in Auftrag gegeben. Diese zielt in die richtige Richtung, nämlich die deutliche Verbesserung und Ausweitung desselben u.a. mit einem neuen Linienkonzept. Die Anbindung an die Zentren soll deutlich verbessert und die Taktung erhöht werden. Die Verwirklichung dieser Vorschläge würde eine wesentliche Verbesserung für viele Menschen in Brandenburg bringen. Allerdings haben wir wenig davon, für Fürstenberg soll es keine Verbesserungen geben, an das Thema Aktivierung von stillgelegten Strecken wurde sich überhaupt nicht gewagt. Eine 50-Seen-Bahn ermöglicht den Halbstundentakt zwischen Fürstenberg und Berlin. Aus Richtung Templin-Lychen wäre eine attraktive Anschlußgestaltung nach Richtung Neustrelitz in Fürstenberg möglich. Da ich öfters mal in Fürstenberg stehe, um Richtung Lychen zu trampen, habe ich eine Vorstellung davon, wie viele aus der Uckermark kommend Richtung Neustrelitz pendeln.

 

Eine 50-Seen-Bahn hat viele Hürden zu überwinden. So muß überhaupt die Möglichkeit bestehen, den Teilabschnitt zwischen Fürstenberg und Templin zurückzukaufen. Ein Planfeststellungsverfahren muß erfolgen, um die Strecke wieder für den Bahnverkehr zu widmen. Eine umfangreiche Sanierung mit dem Ziel Ausbau auf 80km/h und Reparatur zweier Brücken ist nötig. Hinzu kommen die Querungen zweier Bundesstraßen, die Bahnhofseinbindungen in Fürstenberg und Templin und der Neubau von Bahnhöfen bzw. Haltepunkten… Mit der in Aussicht stehenden Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Templin-Joachimsthal wäre eine geschlossene Streckenführung Berlin-Fürstenberg-Templin-Eberswalde-Berlin möglich, daß Projekt müsste dann allerdings 80- oder 100-Seen-Bahn heißen. Wie bekommen wir diese Vorstellungen in die Köpfe und dann in die Realisierung?

 

Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche (Che Guevara).

 

T. Held (22.11.2017)

 

Weißes Damwild um Lychen

 

 

 

Schon kurze Zeit, nachdem ich 2000 nach Lychen zog, sah ich meine erste weiße Hirschkuh in der Nähe des Eichhofes bei Rutenberg. In den folgenden Jahren konnte ich ab und an eine einzelne weiße Hirschkuh in einem größeren Damwildrudel beobachten. Vor einigen Jahren wurde eine weiße Hirschkuh bei einer Treibjagd zwischen Hasselförde und Rutenberg erschossen. Dieser Abschuß war in der Jagdgesellschaft nicht erwünscht. Der betreffende Jäger mußte als „Strafe“ einen  Kasten Bier ausgeben.

 

In den letzten Jahren gab es sowohl eine weiße Hirschkuh sowie einen weißen Damhirsch, die häufig in der Umgebung des Eichhofes beobachtet werden konnten. Ich hatte mehrere beeindruckende Begegnungen mit diesen Tieren. Nicht wenige Einwohner waren fasziniert vom weißen Damwild, gerade für Stammurlauber entwickelte dieses sich zu einer Touristenattraktion. Beide Tiere wurden bei einer Treibjagd am 2.12.2017 im Naturschutzgebiet Klapperberge getötet. Ich war entsetzt, als ich davon hörte. Ich fühlte mich sehr an die Erzählung „Der weiße Dampfer“ von Tschingis Aitmatow erinnert. Dieser hat dort der weißen Maralhirschkuh, der „gehörnten Hirschmutter“ ein Denkmal gesetzt. Achtlosigkeit, Gier, Anmaßung führten hier wie da dazu, daß diese Tiere gejagt wurden.

 

Weiße Tiere stehen bei uns nicht unter besonderen Schutz, wie unser Stadtförster auf meine diesbezügliche Frage bei der letzten SVV ausführte. Allerdings galten diese sowohl bei unseren Vorfahren, egal ob Slawen oder Germanen sowie bei allen naturverbundenen Völkern auf der Welt als heilig. Weiße Tiere gibt es in fast jeder Tierart und heißen korrekt Tiere mit Albinismus. Weiße Tiere faszinieren die Menschen seit jeher. Sie sind Attraktionen und gelten als Glücksbringer. Ein weißer Buckelwal vor der australischen Küste genießt besonderen gesetzlichen Schutz. Weiße Eichhörnchen haben in einer US-Stadt in Illinois Vorrang vor dem Autoverkehr. Auch bei uns schießen viele Förster und Jäger diese Tiere nicht. Klaus Borrmann, in der Uckermark aufgewachsener Förster (Forstamt Lüttenhagen, Weiterentwicklung der Heiligen Hallen, Entwicklung des Paradiesgartens, Initiator des Jugendwaldheims Steinmühle und des Waldmuseums Lüttenhagen), sagt dazu in seinen Lebenserinnerungen: „In einen traditionellen Förster- und Jägerhaushalt groß geworden, war mir der behutsame und nachhaltige Umgang mit den Schätzen der Natur regelrecht anerzogen wurden… Auffällige Seltenheiten im Naturhaushalt galten, so sie uns bekannt waren, als kostbare Heiligtümer.“ (zitiert aus Labus Sonderheft 24).

 

Es gibt immer mehr Menschen, die keinen Bezug zur Natur und zu einem achtungsvollen Umgang mit ihr haben. Dementsprechend sieht unser schöner Planet derzeit aus.

 

Während einer Fahrt mit dem ICE Ende Oktober saß ich zufällig neben Prof. Succow, einem der Väter des Nationalparkprogrammes der DDR. So kam ich endlich dazu, ihm persönlich für die Unterschutzstellung u.a. der Feldberg-Lychener-Seenlandschaft zu danken. Und wir sprachen über die Mängel dieser Schutzgebiete, die vor allem eine naturschutzgerechte Land-, Forst- und Jagdwirtschaft betreffen. Mehr war damals leider nicht durchsetzbar und ist es bis heute nicht.

 

Zum Abschluß noch einige Worte von Klaus Borrmann: „Trotzdem ist Naturschutz auf der ganzen Fläche aus meiner Sicht für den Gesamthaushalt der Natur wenigstens so wichtig, vielleicht noch wichtiger, wie ein Fünfprozentflickenteppich von wenigen Schutzgebieten mit einem Totalschutz“. 

 

T. Held (29.12.2017)

 


Kürzungen beim Busverkehr gehen in die Verlängerung

 

Seit dem ersten Bekanntwerden der Kürzungspläne protestieren insbesondere wir Lychener dagegen. U.a. haben wir die 4 in dem Zeitraum stattfindenden Kreistagssitzungen besucht, zweimal sogar eine Kundgebung vor dem Kreistag organisiert. Es gab viele fachlich fundierte Stellungnahmen. Dieses Jahr konnten die Kommunen zum neuen Fahrplan Stellung nehmen. In Falle Lychens ist diese Stellungnahme weitestgehend ignoriert wurden. Die Fahrplanlage wurde für 3 Sommermonate 2018 geringfügig verbessert, bleibt aber weit von dem entfernt, was wir hier als dringend nötig erachten.

Seit 1.6.2018 ist die von den Bürgern gewählte Landrätin neu im Amt. Wir haben große Hoffnungen, daß sich der Busverkehr in naher Zukunft deutlich verbessert.

Im Gegensatz zum abgewählten Landrat Herr Schulze ist sie für Anregungen sicher sehr dankbar. Die Busgesellschaft hat sie bereits in ihren Aufgabenbereich übernommen:

 

Landrätin Frau Dörk

 Kreisverwaltung Landrat
Karl- Marx- Straße 1, 17291 Prenzlau

 Telefon: 03984 70-1001

 Fax: 03984 704099

 E-Mail: landrat@uckermark.de

 

Kreistag Uckermark Karl-Marx-Straße 1, 17291 Prenzlau

Telefon: 03984 70-1009

Fax: 03984 704099

E-Mail: kreistag@uckermark.de

 


Offener Brief  vom 22.11.2016 betreffs der Kürzungen beim Busverkehr    in der Uckermark

 

Sehr geehrter Herr Landrat Dietmar Schulze, sehr geehrter Herr Dezernent Bernd Brandenburg,

 

an der Bevölkerung und den Kommunen vorbei kürzen Sie den Nahverkehr ab 11.12. uckermarkweit. Während die neuen Verbindungen bundesweit z.B. unter www.bahn.de schon eine Weile abrufbar sind, erfahren die Kommunen (Lychen am 21.11.16) und die Bevölkerung erst vom neuen Fahrplan, wenn alle Messen schon gesungen sind. Das ist zutiefst undemokratisch und intransparent. Auch auf einen offenen Brief aus Lychen haben Sie inhaltlich nicht reagiert. Dessen Argumente sind also nicht widerlegt. Für die Daseinsvorsorge der Bevölkerung, die touristische und wirtschaftliche Entwicklung Lychens sind Ihre Entscheidungen eine Katastrophe.

 

Für mich und meine Firma sind die geplanten Einschnitte fatal. Ich selbst nutze überwiegend den ÖPNV und bin regelmäßiger Busfahrer. Dabei erlebe ich, daß die Auslastungszahlen zunehmen. Gerade vergangenes Wochenende (November!) berichteten mir Gäste, daß der Kleinbus der Firma Schween (der ja bald nicht mehr fahren soll), bis auf den letzten Platz (18) belegt war, sie kaum noch hineinkamen. Zugleich bin ich touristischer Anbieter, auf unseren Hof befinden sich neben mehreren Ferienwohnungen auch ein Café, ein Bioladen, ein Filzatelier. Unsere Übernachtungsgäste reisen zu ca. 50% mit dem ÖPNV an. Dies hat auch damit zu tun, daß wir gezielt eine Anreise ohne Auto bewerben. Dies ist nun nicht mehr möglich. Hauptan- und abreisetage sind Sonnabend in der Hochsaison, ansonsten Freitag und Sonntag. Nun sind das die Tage, die am meisten von den Kürzungen betroffen sind. Das ist das Gegenteil von Wirtschaftsförderung – hier wird durch Sie Wirtschaft kaputtgemacht. Ein Bus, der dreimal täglich fährt, ist wie nicht mehr vorhanden. Er ist nicht wirklich nutzbar. Sie schneiden uns u.a. von den 1,8 Millionen Berlinern, die Haushalten ohne Auto leben, ab. Ist Ihnen der Tourismus und die wirtschaftliche Entwicklung der Kommunen so egal?

 

Seit Jahren setze ich mich für den ÖPNV ein und engagiere mich ehrenamtlich für eine attraktive Fahrplangestaltung. Ich bin auch einer der Mitinitiatoren des Naturparkbus Feldberg –Lychen.  Diesen jetzt trotz steigender Auslastung (und das allen Widrigkeiten zum Trotz) sang- und klanglos einzustellen, heißt, der Landkreis hat kein Interesse an touristischer Förderung, an nachhaltiger Entwicklung. Der Titel nachhaltige Tourismusregion gehört der Uckermark spätestens jetzt wieder aberkannt.

 

 

Im Kreistag und im gestrigen Schreiben an unsere Bürgermeisterin haben Sie die Kürzungen mit zu geringer Auslastung begründet. Dann machen Sie doch bitte die Zahlen transparent, wann wurden wieviel Personen auf welcher Buslinie gezählt?  Laut den Busunternehmen Schween, welches die 3 betroffenen Buspaare am Wochenende seit Jahren fährt, gab es seit mindestens 3 Jahren am Wochenende keine Zählungen. Und wieso streichen Sie Rufbusse (wie Richtung Eichhof 501, Retzow 511 und Templin 517), die doch sowieso nur bei Bedarf fahren?

 

 

Ich erwarte von Ihnen, daß Sie die uckermarkweiten Kürzungen rückgängig machen. Gemeinsam (Landkreis + Kommunen + Bürger…) sollten wir uns die Zeit nehmen, attraktive ÖPNV-Angebote zu schaffen. Für Lychen sollte das z.B. heißen, Zweistundentakt auf der Linie 517 – auch nach Templin, zwischen Mai und September Stundentakt, Naturparkbus im Anschluß zu attraktiveren Fahrzeiten als bisher – eventuell unter Einbindung Boitzenburgs, Einbindung der Ortsteile…

 

 

Was halten Sie davon: 2017 bei der frühzeitigen Vorstellung und Diskussion des neuen Fahrplanes gibt es kein großes Erschrecken, sondern Jubel. In der Zeitung war zu lesen, der Uckermark geht es finanziell gut. Es gibt also keinen mir bekannten Grund, diese Vision nicht wahr werden zu lassen.  

 

Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und informiere Sie gleichzeitig darüber, daß ich diesen Brief öffentlich mache.

 

Mit freundlichen Grüßen Thomas Held

 


Offener Brief der Wählergruppe "Schön Hier - Gemeinsam für Lychen"   an den Kreistag Uckermark

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Wochen protestieren viele Menschen uckermarkweit gegen die nun in Kraft getretenen Fahrplanänderungen (Kürzungen der Verkehrsleistungen) beim öffentlichen Busverkehr. Die Reaktionen der Verwaltungsspitze des Landkreises sind beschämend. Schreiben, wie das der Stadt Lychen vom 13.10.2016, werden nicht beantwortet. Eine Einladung zur SVV Lychen wird ausgeschlagen. Das durch Finanzdezernent Brandenburg auf der Kreistagsitzung am 7.12. angebotene Gespräch mit touristischen Leistungsträgern der Stadt war nicht ernst gemeint. Denn wie sonst ist seine Antwort auf die Terminanfrage zu bewerten, dass dieses Jahr keine Zeit mehr ist und er nur mit der Vorsitzenden des Tourismusvereins sprechen will (welche gleichzeitig unsere Bürgermeisterin ist)? Offensichtlich haben da einige Verantwortliche nicht begriffen, dass Sie Ihre Funktion für die Bürger ausüben. Wir bitten Sie in Ihrer Funktion als Kreistagsabgeordnete darauf zu achten, dass die Verwaltung bürgernah und transparent handelt. Und wenn die Verantwortlichen nicht zu uns kommen, werden wir zu ihnen kommen.

 

Sie sind in den vergangenen Wochen mit vielen fehlerhaften bis ganz falschen Aussagen zum Thema konfrontiert wurden. Wir möchten hier wenigstens einiges richtigstellen, denn nur grundlegende Informationen von allen Seiten bieten die Basis für gute Entscheidungen. Öffentliche Aussagen durch den Landrat Herr Schulze und/oder Dezernent Herr Brandenburg aus den letzten Wochen stehen im folgendem fettgedruckt:

 

„Der Nahverkehrsplan wird sehr gut erfüllt bzw. übererfüllt.“ Bei der Erarbeitung dessen, sind wesentliche Hinweise aus Lychen (ja, die gab es entgegen der Aussage der Verwaltungsspitze) nicht eingearbeitet worden. So fehlt in diesen z.B. die Bedeutung, die die Anbindung an Fürstenberg sowohl für die Daseinsvorsorge als auch für den Tourismus hat. Wie Sie auf der letzten Kreistagsitzung hörten und nachlesen können, ist der Übergang vom Individualverkehr zum öffentlichen Verkehr zu fördern. Glauben Sie wirklich, das geschieht durch Einschränkungen der Verkehrsleistungen?  

 

„Die Auslastung der Busse ist zu niedrig.“ Laut Aussage des UVG-Chefs Böhme gegenüber Lychener Vertretern nach der letzten Kreisausschusssitzung steigt die Auslastung der Busse seit Jahren. Das erfahren auch die Busnutzer unter uns, gerade auf dem Abschnitt Fürstenberg-Lychen der Linie 517. Hierzu einige Zahlen (Wochenende) allein aus der letzten Fahrplanwoche. 3.12. (Sa) Vormittag ca. 40 Personen im Bus nach Fürstenberg, 10.12. (Sa) Mittag 10 Personen Richtung Fürstenberg, 16 Personen Richtung Lychen. Hätten wir geahnt, dass bei einer gut funktionierenden Buslinie Kürzungen statt der erwartete Ausbau geplant sind, hätten wir im Jahresverlauf Zählungen organisiert. Wenn Herr Brandenburg behauptet, es fahren zu wenig Menschen in diesen Bussen (wie es mit weniger Bussen mehr Nutzer werden sollten, sollte er mal erklären), so bitten wir Sie, belegbare Zahlen von ihm einzufordern. Wann wurden wie viele Personen in den betreffenden Bussen gezählt? Wir vermuten, dass die Linie 517, Abschnitt Lychen-Fürstenberg zu den Top 10 der bestausgelasteten Linien in den Altkreisen Templin und Prenzlau zählt. Dabei ist das Potential der Linie 517 bei weitem nicht ausgereizt. Hier fehlen die Einbindung wichtiger Pendlerzüge, die Anbindung an Templin (gerade am Wochenende), Feldberg und touristischer Einrichtungen im Umland.

 

„Die Daseinsvorsorge ist gesichert.“ Wenn seit dieser Woche Menschen aus Lychen Arzt-, Amts- oder andere Termine am Vormittag in Templin haben, bedeutet das jetzt stundenlange Wartezeit, da zwischen 9.10 Uhr und 13.10 Uhr kein Bus mehr zurück fährt. Ein Ticket von Lychen nach Berlin kostet genau so viel wie  ein Ticket von Fürstenberg nach Berlin. Daraus ergeben sich viele Chancen für volle Busse. Auch gibt es in Lychen zunehmend Menschen, die aus den verschiedensten Gründen kein Auto fahren. Für diese ist es elementar, einen gut ausgebauten ÖPNV nutzen zu können. Wesentlich dabei ist die Anbindung an den Bahnhof Fürstenberg und damit an den Großraum Berlin. Der Abbau von ÖPNV-Leistungen führt dazu, dass Menschen Lychen verlassen und die städtische Entwicklung stagniert.

 

„Die Touristen nutzen die Busse, die dann noch fahren.“ Dazu haben Sie ja schon einige Argumente auf der letzten Kreistagsitzung gehört, die wir hier nicht wiederholen wollen. Vor einigen Jahren wurde trotz Protesten am Wochenende die Fahrten im Ostabschnitt der Linie 517 (Templin-Lychen) auf 3 Linienbuspaare reduziert (ähnlich wie jetzt seit einigen Tagen auf dem Westabschnitt vollzogen). Die Folge, seitdem meiden Touristen diese Linie. Sie wird weder als Bahnanbindung in Templin noch für touristische Ausflüge genutzt. Es ist z.B. nicht mehr sinnvoll möglich, am Wochenende mit dem Bus einen Ausflug zur Naturtherme in Templin zu machen. Das wurde vor dem Einschnitt oft genutzt. Touristen, die auf den ÖPNV angewiesen sind oder diesen nutzen wollen, werden sich gut erreichbare Erholungsorte aussuchen. Lychen gehört seit dem letzten Wochenende nicht mehr dazu. Dies alles geschieht vor den Hintergrund, dass wir zunehmend Touristen aus den alten Bundesländern und anderen Staaten haben, bei denen der Anteil der ÖPNV-Nutzer besonders hoch ist.

 

„Für den Naturparkbus (NPB) besteht kein Bedarf.“ Ist-Zahlen, durch Zählungen im vergangenen Sommer ermittelt, bilden nicht den Bedarf ab. Zählzettel wurden bei den Fahrern selten gesehen. Vom Fahrkartenverkauf sind durch die Anerkennung von VBB-Tickets (z.B. Seniorenticket, Schülerferienticket) keine Ist-Zahlen ableitbar. Der NPB krankte unserer Meinung nach an ganz anderen Dingen: Hinhaltetaktik bei den Finanzierungszusagen durch den Landkreis, ungünstige Fahrplanlagen (um Kosten zu sparen), schleppende bis nichtvorhandene Mängelbehebung bei den beteiligten Busunternehmen, fehlende Tarifkenntnis bei Fahrern aus MV, die zu Diskussionen und Beschwerden durch die Fahrgäste führten… Jetzt hat der Landkreis leichtfertig die Konzession für den Mecklenburg-Abschnitt der Strecke aufgegeben.

 

Wir haben folgende Forderungen:

 

Wir erwarten von Ihnen, dass Sie einfordern, für die mehr bewilligten Gelder auch mehr Fahrplanleistungen zu erhalten. Wie sollen wir z.B. mit den Nachbarkreisen sinnvoll verhandeln, wenn diese jetzt wie die Oberhavel Verkehrsgesellschaft mehr Geld für weniger Busse zahlen müssen?

 

Wir fordern, dass noch vor den Weihnachtsferien (Hochsaison) zum alten Fahrplan zurückgekehrt wird.

 

Wir fordern, dass die ständigen Reduzierungen des Nahverkehrs ein Ende haben und wir gemeinsam den Ausbau desselben planen.

 

Wir fordern, dass ganzjährig werktags die Züge 7.11 Uhr ab Fürstenberg, 16.45 Uhr und 18.45 Uhr ankommend in Fürstenberg an den Busverkehr nach Lychen angebunden werden. Nur dann können wir die Pendler zurückgewinnen. Schauen Sie sich bitte den neuen, schon wieder nichtausreichenden großen Parkplatz am Bahnhof Fürstenberg an. Und sehen Sie die vielen Fahrzeuge mit UM- und MST-Kennzeichen (letztere häufig aus der Feldberger Region).

 

Wir fordern die Einführung des Stundentaktes zwischen Fürstenberg und Lychen, vorerst von Mai bis September. Stündlich wechselnd sollten die Busse im Zweistundentakt bis Templin bzw. Feldberg weitergeführt werden (erste Fahrplanentwürfe sind vor Ort erarbeitet). Perspektivisch könnte sich daraus ein UM/MST-Shuttle entwickeln, z.B. Fürstenberg-Lychen-Feldberg-Fürstenwerder-Woldegk-Prenzlau-Boitzenburg-Templin-Lychen-Fürstenberg sowie Gegenrichtung. Wir werden uns für Zuschüsse an den ÖPNV aus touristischen kommunalen Einnahmen einsetzen.

 

Wir fordern, im Anschluss an die Hauptbuslinien ein besseres und flexibleres Rufbussystem (wie es andere Landkreise vormachen) aufzubauen. So kann z.B. beim Rufbus zum Eichhof dass sowieso durchfahrene Rutenberg mit eingebunden werden, auf Grund der dort in den letzten Jahren neuentstandenen Ferienobjekte wie dem ReHof und der Feriensiedlung am Kronsee.

 

Wir regen an, sich nicht an schlechten Beispielen (Prignitz) sondern sich an beispielhaften Nahverkehrslösungen zu orientieren. Z.B. am Schwarzwald, der ein kurabgabenbasiertes gut funktionierendes Nahverkehrssystem aufgebaut hat, welches zum Umstieg auf dem ÖPNV einlädt. Wir brauchen nicht in die Ferne schweifen. Mit der Marke „PlusBus“ hat der VBB ein Konzept entwickelt, welches das Ziel hat, den Busverkehr in Brandenburg effektiver zu gestalten. Dabei wurden schon einige Erfolge erzielt. Wir regen an, die Linie 517 so zu gestalten, dass sie diese Qualitätsstandards erfüllt und in die Kategorie „PlusBus“ aufgenommen wird.  Auch die erfolgreiche Installation der Burgenlinie im strukturschwachen Fläming sollte ein ein Vorbild sein.

 

Wir werden uns in Lychen, aber auch uckermarkweit dafür einsetzten, eine ÖPNV-AG bzw. einen Nahverkehrsrat zu initiieren. Dieser sollte sich aus Bürgern, Vereinen, Tourismus- und Wirtschaftsvertretern, Verwaltung, Verkehrsunternehmen… zusammensetzen. Ziel sollte sein, mit Fachkompetenz einen effektiven Ausbau des ÖPNV zu begleiten.

 

Wir erwarten bis spätestens 31.01.2017 eine deutliche Verbesserung der ÖPNV-Anbindung Lychens sowie eine konstruktive Antwort auf unsere Hinweise, Vorschläge, Forderungen. Wir werden präsent bleiben, auch wenn Ihre Sitzungen in Prenzlau meist nicht mit dem ÖPNV erreicht werden können. Wir werden lauter werden, wenn an der Abhängung Lychens vom ÖPNV festgehalten wird. Wir werden uns bemühen, uns uckermarkweit mit weiteren Betroffenen zu vernetzen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Wählergruppe Schön Hier – Gemeinsam für Lychen

 

Fraktion Schön Hier – Gemeinsam für Lychen (SVV Lychen)

 


 

 

Notizen aus der Kommunalpolitik

 

 

 

Zensbadestelle

 

 

 

Ein mit Spannung erwarteter Tagesordnungspunkt der SVV vom 25.6. waren die aktuellen Informationen zu den Heilstätten durch Dr. Neumann. Seit dem Außerkrafttreten des  Vertrages hatte es keine öffentlichen Äußerungen des Investors gegeben. Allen Unkenrufen der CDU zum Trotz ist ja der Baufortschritt auf dem Gelände für jede(n) erfahrbar. Dr. Neumann setzte sogar noch einen drauf, er bot den Neubau des Steges und einer Badeinsel zur öffentlichen Nutzung an. Darum habe ich mich jahrelang vergeblich bemüht. Dies ist eine Erfolgsgeschichte dank der BI Zenswanderweg,  das öffentliche und das private Interesse sorgen für Erhalt und Aufwertung der Badestelle für alle.

 

Auf dem Heilstättengelände entstehen jetzt u.a. über 50 Seniorenwohnungen. Die Stadt und die stadteigene Gesellschaft WOBA wären gut beraten, ihre diesbezüglichen Pläne zu überdenken (damit kein Überangebot entsteht). Ich wünsche mir, daß endlich Wohnungen für Familien und junge Menschen geplant werden. Der Investor beklagte wieder Vandalismus auf seinem Gelände (hier ist auch die Aufmerksamkeit von Anwohnern, Badestellen- und Wanderwegnutzern gefordert). Er sprach darüber, hinter dem neugebauten Zaun Natodraht auszubringen. Ich hoffe, es gibt eine bessere Lösung. Ansonsten würde ich folgende Anregung geben: er könnte Kontakt mit dem anderen Investor aufnehmen, der gerade ein Händchen für ästhetische Türme an Mauern beweist. So könnte hier als touristischer Höhepunkt eine Mauergedenkstätte entstehen. Nichts ist derzeit nötiger in diesen Europa und Deutschland, die tausende Menschen an den Grenzen krepieren, zehntausende in KZ´s sperren oder versklaven lassen. Es erfüllt mich mit Scham, in einem Land zu leben, wo so etwas möglich ist, welches Kriege, Waffen, wirtschaftliche Knebelung in die Welt exportiert, in dem die Regierung bzw. Teile von ihr mittlerweile die rassistische Politik der AFD umsetzen.

 

 

 

Stadthafen

 

 

 

Den Antrag unserer Fraktion zur Kostenermittlung Stadthafen (NLZ berichtete) vertagten wir trotz ausgearbeiteter Präsentation. Zum einen traf der Vertagungsgrund vom letzten Male immer noch zu (Nichtfertigstellung von Nutzungsanalyse und Wirtschaftlichkeits-berechnung). Zum anderen wollten wir die Diskussion um die Bürgerbefragung abwarten. Diese Befragung wurde letztendlich mehrheitlich beschlossen. Und klar, es ist richtig, daß die Bürger endlich, wenn auch viel zu spät befragt werden. Deshalb stimmten wir auch zu. Allerdings kauften wir damit die Katze im Sack, da bisher nicht geklärt ist, welche Informationen die Bürger zur Befragung erhalten. Und die Bürger werden im Vorfeld der Befragung wohl nicht erfahren, welche Kosten und Folgekosten der Hafen für die Stadt haben wird. Das wäre allerdings ein wesentliches Entscheidungskriterium. Herr Schache präsentierte wieder Zahlen, welche Gelder durch Touristen in die Stadt gebracht werden. Offensichtlich wollte er das Thema verfehlend suggerieren, daß diejenigen, die gegen Hafenbecken und 25m breite Mole sind, Touristen und damit Gelder verhindern. Die er da meint, sind aber kurioserweise häufig Touristiker wie ich, die aktiv Gäste und Geld in die Stadt holen. Aber hat nicht genau Herr Schache, durch sein starrsinniges Festhalten an einer nicht konsensfähigen Hafenplanung und unseriösen Kostenberechnungen (siehe separaten Artikel) mit dafür gesorgt, daß es bisher keine Hafen gibt? Und werden die Einnahmen durch eventuell zusätzliche Touristen nicht durch die überteuerte Hafenvariante wieder aufgefressen?

 

 

 

Die Linke

 

 

 

Am Ende der langen Sitzung benannte die Linke Sven Klemckow zu ihren sachkundigen Bürger im Finanzausschuß. Das halte ich für eine politische Instinktlosigkeit aus folgenden Gründen:

 

  1. Der Finanzausschuß wurde 2011 in der Amtszeit von BM Klemckow gegründet, weil die Stadtverordneten eine regelmäßige Kontrolle über die Stadtfinanzen haben wollten. Die Haushaltslage hatte sich drastisch verschlechtert.
  2. In der Amtszeit Sven Klemckows als Bürgermeister schrumpfte die Fraktion der Linken von 5 auf 2 Mitglieder. Gaben der Linken 2008 noch 33,8% der Wähler ihre Stimme, halbierte sich das 2014 auf 16,2%.
  3. Kritische Fragen des Finanzausschusses beantwortete BM Klemckow teilweise falsch, unzureichend oder überhaupt nicht.
  4. Die mittlerweile leider verstorbene Frau Behrendt (die Linke) hat durch sachkundige, gründliche Arbeit im FA (und der SVV) Maßstäbe gesetzt.

 

In Zeiten wie diesen, wo nichts notwendiger wäre als eine starke Linke, die sich für Solidarität, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen einsetzt (siehe oben), macht sich die Linke in Lychen zum Steigbügelhalter des Kapitals. Eine traurige Geschichte.

 

 

 

Mühle und Innenstadtentwicklung

 

 

 

Auf der SVV stellten Roland Resch und Marcus Thum die weiteren Pläne des Vereins „Wasser auf die Mühle“ für das Mühlengebäude vor, die möglichst bis 2025 umgesetzt werden sollen. Hier entsteht ein wesentlicher Baustein für einen saisonerweiternden Tourismus und für die Belebung der Innenstadt. So soll u.a. das Besucherzentrum des Naturparkes in die Mühle geholt werden. Die Pläne sind beim Verein einsehbar. Weiterhin wurde ein Planungswettbewerb zur Innenstadtgestaltung einstimmig beschlossen. So bleibt zu hoffen, daß wir zeitnah unsere Innenstadt attraktiver gestalten können.  

 

T. Held (18.07.2018)